Europa Alternativ

Navid Kermani als nächster Bundespräsident?

Die Zeit hat gestern (29.07.2016) Navid Kermani als möglichen gemeinsamen rot-rot-grünen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten in die öffentliche Debatte gebracht.


Zeit online berichtet gestern, dass Navid Kermani rot-rot-grüner Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten sein könnte. Bernd Ulrich von Die Zeit fragt dann gleich, ob das nicht etwas „over the top“ sei, also etwas überzogen sei.

Erstens, so Ulrich, sei Kermani bei aller Anerkennung seiner intellektuellen und fachlichen Kompetenzen ungeübt in der Leitung einer Behörde. Und zweitens sei die Linke als Teil der Unterstützer-Koalition schwer kalkulierbar. Immerhin wäre eine gemeinsame Nominierung von Kermani eine Weichenstellung im Blick auf die Bundestagswahl 2017.

Punkt eins überzeugt nicht wirklich. Denn das ist normal in einer Demokratie, dass gewählte Politiker nicht unbedingt Leitungserfahrungen mit einer Behörde haben, der sie dann vorstehen. Dafür gibt es einen fachlich gut ausgebildeten Stab von Mitarbeitenden. Ein Bundespräsident muss Rückhalt in der Gesellschaft haben und die politische Richtung für seine Behörde vorgeben, für die ersteht und für die er gewählt wurde. Es besteht m.E. kein Zweifel, das Kermani die dazu nötige Kompetenz hat.

Das zweite Argument sticht auch nicht. Es geht um die Wahl des Bundespräsidenten. Wenn das zu einer politischen Weichenstellung beiträgt, ist das begrüßenswert. Aber das ist keine Voraussetzung für einen rot-rot-grünen Kandidaten. Denn wie es nach der Bundestagswahl weitergeht, lässt sich letztlich nur nach der Wahl sagen. Sich von daher jetzt eine Blockade aufzuerlegen macht keinen Sinn, wäre sogar kontraproduktiv.

Nach dem Angela Merkel und den evangelischen Theologen Joachim Gauck als ehemalige DDR-BürgerInnen derzeit die beiden politischen Spitzenämter in der BRD innehaben und damit auf politischer Ebene Ausdruck einer voranschreitenden innerdeutschen Integration sind, wäre es ein starkes Zeichen des Fortgang der Integration in der hiesigen Zuwanderungsgesellschaft und ein Zeichen für eine weltoffene Gesellschaft, mit Navid Kermani nun einen aus dem Iran kommenden deutschen islamisch-schiitischen Theologen und Schriftsteller zum Bundespräsidenten zu wählen.

Auch im blick auf die EU wäre das ein positives Zeichen!